Es gibt Momente im Leben, die sich anfühlen, als würde die Zeit stillstehen. Für mich war ein solcher Moment während meiner Exerzitien – 10 Tage im puren, tiefen Schweigen. Die äußere Stille war unendlich kraftvoll, doch in meinem Inneren tobte ein Sturm. Ich spürte tief in mir eine Wahrheit, die mein damaliges Verstandes-Fundament komplett erschütterte: Es war nicht mehr stimmig im Kloster. Es passte nicht mehr.
Dabei hatte ich meine ewige Profess abgelegt. Ich war felsenfest davon überzeugt gewesen, diesen Weg bis an mein Lebensende zu gehen. Mein Verstand wehrte sich mit aller Macht gegen dieses neue, unaufhaltsame Gefühl, denn das Kloster war meine Heimat, meine absolute Sicherheit.
In unserem täglichen Gespräch lud mich der Jesuitenpater ein, die Bibel aufzuschlagen und die Worte einfach auf mich wirken zu lassen.
Ich öffnete die Seiten, und mein Blick fiel genau auf diese Zeile:
„Geh aus deinem Land… in das Land, das ich dir zeigen werde.“ (Genesis 12,1)
Ich erschrak zutiefst. Mein Verstand schoss sofort quer: „Das kann nicht stimmen. Das passt überhaupt nicht zu meinem Leben!“ Ich schlug die Bibel hastig wieder zu und suchte verzweifelt nach Ausreden. Doch das Gefühl blieb. Ich atmete tief durch, schlug sie ein zweites Mal auf – und meine Augen fielen auf exakt denselben Satz.
Das war der Tag, an dem mir glasklar wurde: Meine Berufung, mein Ziel und mein Licht im Leben bleiben gleich. Doch meine Lebensform darf sich jetzt ändern. Ich durfte gehen.
Die Falle des reinen „Mindset-Wandels“
Heute arbeite ich mit vielen Menschen an ihrer inneren und äußeren Freiheit. Und dabei beobachte ich immer wieder dasselbe Phänomen: Mindset ist die Basis für alles. Doch Mindset allein ist nichts ohne die physische Handlung.
Ich hätte damals noch jahrelang im Schweigen sitzen, positiv denken, beten und die schönste Zukunft visualisieren können. Ich hätte meine Energie erhöhen und Affirmationen rauf und runter beten können. Doch wenn ich die Klostertür damals nicht physisch hinter mir zugemacht hätte, wenn ich diesen unbändigen, beängstigenden Schritt ins Unbekannte nicht gegangen wäre… dann stünde ich heute nicht hier. Dann gäbe es die Bewegung, die Freiheit und den Reichtum, den ich heute in unserer „Freedom & Love“-Gemeinschaft teilen darf, schlichtweg nicht.
„...das ich dir zeigen werde“ – Ein Versprechen auf dem Weg
Das Leben, das Universum, Gott – wie auch immer du es für dich nennst – hat zu Abram nicht gesagt: „…in das Land, das ich dir schon bewiesen habe, während du abwartest und auf Nummer sicher gehen willst.“
Es heißt: zeigen werde. Auf dem Weg. Während du gehst. Schritt für Schritt.
Freiheit entsteht nicht im Denken. Sie entsteht, wenn du deiner inneren Sehnsucht die passenden Strategien an die Hand gibst und radikal ins Handeln kommst.
Welche Tür darfst du heute hinter dir schließen, damit sich dein neuer Weg vor dir zeigen kann?
Backoffice-Bearbeitung: Nadja Mondy
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